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Vorbildliche Umbauten - Frank Bode aus Dresden

Umrüstung eines Kleinbusses VW T4 mit dem Computerbausatz T12

 
Umgebaut wurde ein 10 Jahre alter 9-Personenbus, 2,5 Liter Hubraum, 5 Zylinder, Direkteinspritzer mit 65 kW / 88 PS und einer Laufleistung von rund 100.000 km. Der Motor ist sehr sparsam und braucht zwischen 7 und 8 Liter Diesel auf 100 km. Gerade das setzte aber auch hohe Maßstäbe an die Umrüstqualität, denn Direkteinspritzermotoren verlangen eine besonders exakte Temperaturführung und dürfen auf keinen Fall mit zu kaltem Pöl gefahren werden. Dann kann es zu Leistungsabfall und Schäden am Motor kommen. Das Problem besteht darin, dass der Kraftstoff, anders als bei den Vorkammermotoren, keine Zeit hat, zu verdampfen, sondern direkt auf den Kolbenboden gesprüht wird. Da Pflanzenöl schlechter vernebelt als Diesel und auch langsamer zündet, läuft der Motor rauher und entfaltet zu wenig Leistung. Auf Dauer kommt es zu starken Verkokungen und im schlimmsten Fall wird ein Loch in den Kolben gebrannt, falls auch noch die Einspritzdüsen verschlissen sind. Voraussetzungen für einen erfolgreichen Umbau ist also ein nichtrußender, tadellos laufender Motor. Das Problem der Zündunwilligkeit bei Pöl kann durch eine permanente Zumischung von Diesel (10...20%), oder besser noch von Diesel-Benzingemisch gemindert und beseitigt werden. An dieser Stelle darf man mit der Einsparung nicht übertreiben!

Ein Blick in den Motorraum zum realisierten Umbau. Links oben der Ventilblock mit beheizter Metallfilterglocke, den Magnetventilen und Absperrhahn. Der Original-Dieselfilter wurde durch den rechts im Bild zu sehenden beheizten  Zweistrangfilter ersetzt. Damit gibt es im Winter keine Probleme mit versulztem Diesel. In der Mitte der elektrische Zusatzheizer für das Feintuning der Temperatur vor der ESP auf 75 Grad. Alle Schläuche sind transparent und mittels Schneidringverschraubungen angeschlossen. Damit sind Leckagen nahezu ausgeschlossen und der Fluss des Kraftstoffes kann gut beobachtet werden. Eine elektrische Entlüftungspumpe (rechts vor dem Kühlmittelbehälter) fördert per Knopfdruck Diesel direkt in die ESP und verdrängt bei der Erstinbetriebnahme die lästige Luft in den Pölkanister. Das verkürzt die Tätigkeit des Anlassers bzw. hilft, bei Störungen im Kreislauf immer eine Notreserve zu haben. Also, Nebenluftprobleme können so beim Überholen per Knopfdruck eliminiert werden. Natürlich muss dann trotzdem die Ursache beseitigt werden.

Der beheizte Zusatztank wurde als Wechselkanister hinter dem Beifahrersitz realisiert. Die 30 Liter Inhalt reichen für ca.400 km bei straffer Autobahnfahrt und 10% Beimischung. Dann wird er einfach gegen einen vollen Kanister ausgetauscht. Die Aufheizung erfolgt mit einem L-förmigen Metallzylinder, der durch die Kanisteröffnung eingeschoben und von Kühlwasser durchflossen wird. Ein Schwimmerschalter (Reserve) warnt rechtzeitig vor Spritmangel. Der Steuerungscomputer schaltet dann automatisch zurück in den Dieselbetrieb. Es ist geplant, den Kanister mit einer Konsole zu umkleiden, auf der dann auch noch die im Bild erkennbare Kühlbox Platz findet.

 



Ein Kontrollmanometer unter dem Lichtschalter misst den Unterdruck im System vor der ESP. Der Normaldruck liegt zwischen 0 und - 0,5 bar. Wenn unter 0,5 bar angezeigt werden, ist zu vermuten, dass einer der beiden Filter verstopft ist. Man behält also auf diese Art schön den Überblick.

Der Steuerungscomputer ließ sich einfach in die herausgezogene Schublade des Aschenbechers stellen. Darüber war noch Platz für das Navi. Da es im Hochsommer auf dem Armaturenbrett ziemlich heiß werden kann, scheidet dieser Ort für die Befestigung aus. Die Aufgabe des Computers ist die gleichzeitige Überwachung von 4 Temperaturwerten an verschiedenen Messpunkten (Motor, Pölfilter, Pöltank, E-Heizer vor ESP) Es können beliebige Sollwerte vorprogrammiert werden. Wenn die Istwerte diese alle 4 erreicht haben erfolgt die automatische Umschaltung vom Diesel- zum Pflanzenölbetrieb. Damit kann eine optimal kurze Warmlaufphase bei gleichzeitiger Schonung von Motor und Einspritztechnik sichergestellt werden. Die Einstellungen erfolgen individuell zum jeweiligen Motorentyp. Nach der Umschaltung wird der Dieselanteil schrittweise mit der zunehmenden Erwärmung auf den unteren Grenzwert verringert. Bei Kammerdieseln ist dieser 0%, bei Direkteinspritzern 10...15%. Auch diese Funktion ist auf einfache Weise frei programmierbar. Vor Ende der Fahrt muss für eine Reststrecke rechtzeitig wieder auf Diesel umgeschaltet werden, damit die ESP für den nächsten Kaltstart kein Pöl enthält. Sollte der Fahrer dies mal vergessen habe, so ertönt beim Ausschalten der Zündung ein Warnton und die entsprechende Anzeige erscheint im Display. Um den Dieselverbrauch zu minimieren steuert der Computer die Schnellspülung. Hierbei wird über ein programmierbares Zeitintervall hinweg die Restmenge an Pöl bei geschlossenem Rücklauf verbraucht. Dann öffnet das Rücklaufventil und der Kraftstoff einschließlich der noch im kleinen Umlauf verbliebenen Menge Pöl  fließt in den Dieseltank. Für Sommer und Winter lassen sich verbrauchsoptimierte Einstellungen festlegen. D.h., in der warmen Jahreszeit kann ich das Zeitintervall vor dem Öffnen verlängern, den Motor innerhalb dieser Zeit  ausschalten. Die  kleine Restmenge Pöl in der Pumpe stört nicht beim nächsten Start, da das Pöl-Diesel-Gemisch flüssig bleibt. Im Winter muss in jedem Fall die Schnellspülung erfolgen.
Schematiserte Darstellung der programmierbaren Temperatur Sollwerte individuell nach Fahrzeugtyp. Außerdem programmierbar Optimix (allmähliche Rückname des Dieselanteils nach Umschaltung über Temperaturerhöhung) bis zum ebenfalls frei wählbaren zugemischten Dieselanteil (1...100%).

Erste Erfahrungen

Der Bus hat nun im Laufe des letzten Jahres 10.000 km im gemischten Betrieb zurückgelegt. Anfangs gab es Probleme wegen ungenügender Vorwärmung (s.o.). Nach einer Revision der Anlage und dem permanenten Zumischen von Diesel mit 20% Benzinanteil ist die volle Leistung vorhanden. Jedoch Vorsicht an dieser Stelle! Zuviel Benzin führt zur Gasblasenbildung beim Zurückschalten in den Dieselbetrieb. Das Auto hat Aussetzer und man muss erst mal warten, bis sich die Kraftstoffanlage abgekühlt hat. Abhilfe brachte hier auch, den Rücklauf in den Dieseltank permanent abzuschalten. Bei Stadt und Landstraßenfahrten hat sich ein Beimischungsanteil von 20 % bewährt. Bei schneller Autobahnfahrt genügen 10 %. Benzinanteil im Diesel im Sommer 15% und im Winter 20 %. Auf unserer gestrigen Tour von Dresden nach Berlin und zurück (400 km) verbrauchten wir knapp 30 Liter Pöl und 3 Liter Diesel. Verbrauch gesamt also um die 8 Liter bei 120 bis 130 km/h.



Copyright 24.06.2013 BioCar